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Poetry-Slam im Kufokeller: Sucht hat immer eine Geschichte

Hüffertscbild2hüler und Kulturschaffende aus der Region zeigen kreative Potentiale gegen den Frust (Dr. Inge Philipper)

Warburg (phil).“Sucht hat immer eine Geschichte“ – dieses Motto der Aktionstage zur Suchtprävention im Kreis Höxter eignet sich bestens zum Dichten und Geschichten erzählen. Eine Kooperationsveranstaltung zwischen Hüffertgymnasium und Kulturforum bot am frühen Samstagabend eine bunte Palette aus Angeboten des literarischen und musikalischen Schaffens der Hüffertschülerinnen und –schüler und anderer Kulturschaffender aus der Region. Die bekannte Slammerin Tahireh Panahi, die als anregende und energiesprühende Moderatorin auftrat, hatte die jungen Literaturbegeisterten in einem zweitägigen Workshop  in der letzten Woche in dieses zeitgemäße Darstellungsformat eingeführt. Im Laufe der  Kufo-Veranstaltung kamen noch weitere erfahrene Slammer aus Kassel  zum Zuge.  Selbstüberschätzung, Selbstunsicherheit, Neugier, Abenteuerlust waren auffällige Motive, aber auch die Suche nach Märchen und Mythen, um die Gegenwart zu verstehen.

Die Auseinandersetzung  um die rechte künstlerische Form enthielt im Workshop zunehmend auch intensive Reflexionsmomente rund um das Thema Sucht. Das Anfachen von  Kreativität, so wurde deutlich, taugt vorzüglich als Motor der Suchtprävention.  Dass dies funktioniert, zeigte das Ergebnis des Abends im Kulturforum, in dessen Verlauf sich eine spannungsreiche Performance entwickelte. Auch hier junge Leute am Werk, die sich mit ihrer Kreativität ins Leben einmischen, es gab auch Positivbeispiele, die zeigen, wie sich die Ausdruckskraft, ist sie einmal geweckt, zur Stärkung der Persönlichkeit eignet. „Bei sich sein“ – das bietet eben auch etwas für unsere Kommunikation mit den Mitmenschen, wenn es denn stark genug ist. Da gab es den Text von der Schülerin, die das „unter Druck sein“ thematisierte und die Entschlossenheit, sich von der Sucht „nicht herausfordern“ zu lassen, den Kasseler Slammer mit der Frage: „Bist du Traum oder Himmel“, eine Prozaskizze einer Kasseler Slammerin über ein verlassenes Jahrmarktsgelände in märchenhaft-trostloser Szenerie. Die Präsentationen wurden begleitet von einfühlsamen Musikstücken der beiden „Folk-Musiker“ aus Dössel, die nicht zum ersten Mal im Kufo-Keller auftraten, Danesh (Tombak /Trommel) und Juan (Saiteninstrument Saz). Auch sie trauten sich, „mitgebrachte“ Poesie vorzutragen, einfühlsam übersetzt von Tahireh Panahis Mutter aus dem Persischen. Ein kommunikatives „Impro-Arrangement“ bezog die Zuschauer mit ein,  die sich nach dem Zuruf „Freeze“ in das Bühnengeschehen zum Thema: „Stellt euch vor, Marihuana wäre legalisiert…“  einmischen konnten. Christian Holtgreve präsentierte neueste Haikus zum Thema „Drogen“ und „drauf sein“ aus der „think-positive“-Perspektive des in die Jahre gekommenen,  weise gewordenen Altstädters aus der 68er Generation. Das Spektrum der  Kasseler Slammer reichte von einer antirassistisch-beschwörenden Auseinandersetzung mit dem Kasseler NSU-Mord bis zur Moritat vom kleinen Maximilian, der  allein zu Haus merkwürdige Dinge erlebt –  hin zu poetischen Rap-Vorträgen eines preisgekrönten Slammers. Das Leben schreibt indes die spannendsten Geschichten – zum Beispiel, wenn man sich aufmacht von Kassel nach Warburg, und der Zug einen ungewollt erst in Altenbeken ausspuckt. Und so beinahe seinen Einsatz im Warburger Kufo-Keller verpasst. Die Kulturgemeinde nahm das Warten unter Anleitung der begabten Moderatorin Tahireh Panahi sportlich und machte etwas aus den Potentialen im neu gestalteten Kufokeller, die sich entfalten, wenn es heißt „Hüffert goes Kufo“.

nicolas

Der Schüler Nicolas Etzel bei seinem Vortrag „Blöde Idee“!  (Foto: Mareike Dierkes)

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